Veröffentlicht in Uncategorized

Auf und davon – mein High School Jahr 2007/2008 ODER Inklusion an einer kanadischen Highschool

*unbezahlte Werbung wegen Namensnennung*

Ich weiche ab von meinen ĂŒblichen Inhalten, die sich meist um Myasthenia Gravis oder um das Thema Rollstuhl drehen.

Das Thema Behinderung wird trotzdem Platz finden, denn ich möchte mal erzÀhlen, wie dort Inklusion gelebt wurde.

Ich widme mich einmal meiner Zeit in einer kanadischen High School.

Dieser Blogbeitrag ist Teil der Blogparade von LittleLintu, die nach Berichten ĂŒber Auslandsaufenthalte in einer Facebook Gruppe gefragt hatte.

Mein High School Jahr war 2007/2008 und hĂ€tte mir jemand 3 Jahre vorher gesagt, dass ich mal ein Jahr im Ausland leben wĂŒrde… Ich hĂ€tte ihm einen Vogel gezeigt. Ich hasste Englisch damals. 1 Jahr nur Englisch wĂ€re Höchststrafe gewesen.

Aber dann lagen ĂŒberall diese Prospekte rum und irgendwie klang es ja schon interessant.

Platziert war ich das erste halbe Jahr mit einer Mexikanerin, meiner heißgeliebten „Mabel“. Doppelplatzierungen waren bei meiner Organisation #Eurovacances möglich, sofern man es nicht ablehnte. Es mussten allerdings unterschiedliche Muttersprachen sein.

Mabel und ich an meinem 18. Geburtstag im MĂ€rz 2008

Wer sich nun denkt, es wĂ€re alles eitel Sonnenschein… Der tĂ€uscht. Mit unserer Gastmutter haben wir beide uns nicht gut verstanden, was auch der Grund war, warum Mabel nur bis kurz vor Weihnachten in der Familie war. Sie wechselte dann. (Ironischerweise habe ich mit Mabels Gastmutter bis heute sporadisch auf Facebook Kontakt, wĂ€hrend Kontakt zu meiner Gastmutter nicht mehr besteht, obwohl ich 2011 fĂŒr 5 Wochen zu Besuch in Kanada war und sogar in der selben Straße gewohnt habe)

Neben Highschool, Driver education und Theater (aufgrund des sehr deutlichen „German accent“ beschrĂ€nkte sich meine Rolle auf einen Professor, der direkt jemanden umbringt und nicht viel reden musste 😂) war ich auch regelmĂ€ĂŸig in der Kirche und der dortigen Youth Group sowie auf Fahrten mit dieser Youth Group.

Eigentlich habe ich mit Religion ĂŒbrigens gar nix am Hut 😜. Aber dort passte es einfach.

Ausflug mit der Youth Group. Meine mexikanische Schwester Mabel und ich rechts, 2 Kanadier links

Die Highschool – gelebte Inklusion.

Damals hatte ich noch keine Behinderung, war noch nicht Rollstuhlfahrerin und dennoch fiel es mir auf. Der Umgang mit Leuten, die EinschrÀnkungen hatten, war anders als ich es bis dato aus Deutschland kannte. (Grundschule, kooperative Gesamtschule mit integrationsklasse in jedem Jahrgang und Gymnasium).

Ich war in der 12. Klasse der Highschool, also im Abschlussjahr. Hier war lediglich nur noch ein Fach „social studies“ vorgeschrieben. Der Rest war frei wĂ€hlbar und damit auch gut auf die individuellen FĂ€higkeiten abstimmbar.

Die Vorgaben, welche Kurse man besucht haben musste, kamen von den UniversitÀten, Colleges etc

Das fĂŒhrte zu einem sehr durchlĂ€ssigen System. Ich hatte z. B. im Mathe Kurs einen Gehörlosen und eine Schwerhörige… Die aber natĂŒrlich nicht unbedingt den Chor gewĂ€hlt hatten.

In meinem Sport Unterricht war dagegen ein MĂ€del mit stĂ€rkeren kognitiven EinschrĂ€nkung. Im normalen Mathe, Englisch oder Chemieunterricht wĂ€re sie verloren gewesen. Hier gab es in FĂ€chern wie Mathe zum einen Förderkurse, bei denen das Niveau einfach einige Jahrgangsstufen drunter lag. (Die SchĂŒlerin war z. B. eigentlich in der 11. Klasse, ihr Matheunterricht entsprach aber eher der 8. Klasse) und zum anderen konnte man FĂ€cher problemlos auch spĂ€ter machen. In der 12. Klasse hĂ€tte ich z. B. Bio Klasse 10 belegen können ohne auch alle anderen FĂ€cher der Klasse 10 wiederholen zu mĂŒssen. FĂŒr den Highschool Abschluss gab es relativ geringe Vorgaben, die fast jeder schaffte. Aber man hat es natĂŒrlich nicht mit jedem Highschool Abschluss an die Uni oder ein College geschafft.

Die oben erwĂ€hnte SchĂŒlerin hat dann z. B. im Supermarkt an der Kasse gesessen.

Daneben gab es die „special needs education“. Dies war ein Kleingruppenunterricht fĂŒr Leute mit schweren Mehrfachbehinderungen. Starke kognitive EinschrĂ€nkung gepaart mit oft körperlicher EinschrĂ€nkung. Hier hatte jeder SchĂŒler sein eigenes Ziel. Diese SchĂŒler teilten zwar das SchulgebĂ€ude mit uns, aber keinen Unterricht. Sie machten auch keinen Highschool Abschluss, da sie das Niveau gar nicht erreichen konnten.

Da sie aber im selben GebĂ€ude waren, bestand trotzdem Kontakt zu uns anderen SchĂŒlern, die Lehrer tauschten sich aus und das System war durchlĂ€ssig. Theoretisch hĂ€tte also ein SchĂŒler aus dem Special needs Bereich in den normalen Schulbetrieb wechseln können. Praktisch ist das aber eher nicht passiert, da wie schon erwĂ€hnt die EinschrĂ€nkungen massiv waren.

Nachdem ich selbst mittlerweile eine körperliche Behinderung habe, wĂŒrde ich mir so ein System hier auch wĂŒnschen. Denn dort war der Umgang mit Behinderten völlig normal und gleichzeitig fĂŒhlte sich keiner gestört und es wurde jeder bestmöglich gefördert.

Einen Abschluss habe ich ĂŒbrigens nicht gemacht, obwohl ich wirklich gute Noten hatte. Aber da ein Highschool Abschluss hier vergleichbar mit dem Realschulabschluss ist und ich diesen ja automatisch nach der 10. Klasse am Gymnasium hatte, haben der Rektor und ich darauf verzichtet, meine deutschen Noten umzurechnen.

Ich bekam eine Urkunde, die besagte, dass ich an der Graduation Ceremony teilgenommen hatte. Dies bekamen ĂŒbrigens auch die Kinder aus dem Special Needs Bereich. Auch sie konnten, wenn sie wollten, an der Abschlussfeier teilnehmen.

#adevilwithsnowflakes #Canada #highschoolyear #saskatchewan

3 Kommentare zu „Auf und davon – mein High School Jahr 2007/2008 ODER Inklusion an einer kanadischen Highschool

  1. Herzlichen Dank fĂŒr deine Teilnahme an meiner Blogparade.
    Das ist ein sehr spannender und toller Beitrag 🙂
    An eine High School wÀre ich auch gerne mal gegangen.

    Ganz liebe GrĂŒĂŸe aus Oldenburg 🙂
    Michelle

    Liken

  2. Ja, dass kann ich bestĂ€tigten. Deutschland ist auch hier EntwicklungswĂŒste. Die Politiker reden viel zu viel, und handeln zu wenig auf Grund von Unwissenheit oder Desinteresse. Wenn ich hier in Staufen im Breisgau die gehandicaptgerechte Gestaltung sehe, graut es mir.
    Auch die RĂŒcksichtnahme der gesunden Menschen zu Kranken lĂ€sst sehr zu wĂŒnschen ĂŒbrig.
    Dienstlich war ich auch oft und lÀngere Zeit in den USA (Chicago, Baltimore, Wilmington nc, Atlanta 
) und kenne die Unterschiede bestens.
    Das Verhalten im Straßenverkehr bei uns hier möchte ich gar nicht gross erwĂ€hnen, „katastrophales Ellenbogenverhalten“ 

    Gilt natĂŒrlich nicht fĂŒr alle 


    Liken

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s